Jazz-Gitti: "GGL widmet sich einem Thema, das auch mir sehr wichtig ist: Der Bedrohung der Menschen durch Landminen. Ich bitte sie, schauen sie nicht weg - DENN DIESE ERDE GEHÖRT UNS ALLEN!"
Effiziente Minensuche mit Minensuchratten
Sie finden Ratten unappetitlich und abschreckend? Vielleicht sollten Sie Ihre Meinung über die Nager überdenken – denn sie helfen Menschenleben zu retten! Ratten haben einen außergewöhnlichen Geruchssinn. Gut trainiert erschnuppern sie verborgene Landminen mit höchster Treffsicherheit.
Die manuelle Suche nach Minen mit Metalldetektoren ist langwierig. In einem ehemaligen Kampfgebiet liegen im Durchschnitt 50 Mal mehr nicht-explosive Metallreste in der Erde als Sprengfallen. Die Metalldetektoren reagieren auf jeden Metallrest im Boden – ganz gleich, ob gefährlich oder nicht. Jedes Metallstück muss vorsichtig ausgegraben und untersucht werden.
Um ein 100 m2 großes Gebiet abzusuchen, benötigt ein Entminer rund zwei Tage. Minensuchhunde lassen dagegen normale Metallfunde bei der Suche außer Acht. Sie finden auch metallfreie Minen, denn sie reagieren nur auf Sprengstoffspuren. Das Verblüffende: Minensuchratten sind hierbei noch effizienter als Hunde.
Eine gut trainierte Ratte kann ein 100 m2 großes Areal in rund 20 Minuten absuchen. Ausgebildete Hunde sind bei der Suche ähnlich schnell, benötigen jedoch häufigere und längere Ruhepausen. Und während Minensuchhunde teuer in Ausbildung und Haltung sind, punkten Ratten durch schnellere Lernfähigkeit, Genügsamkeit und Resistenz gegen Tropenkrankheiten.
Mit ihrem feinen Geruchssinn können die Nager sowohl TNT als auch vergrabene Panzerminen und Plastiksprengstoff aufspüren. Die Ratten reagieren dabei auf geringste Konzentrationen, die mit technischem Hilfsgerät wie dem Gas-Chromatographen kaum nachzuweisen sind. Und noch einen Vorteil haben die kleinen Nager: Sie sind so leicht, dass sie im Minenfeld keine Detonationen auslösen.
Die Idee zur Arbeit mit Minensuchratten hatte der belgische Ingenieur Bart Weetjens. Mitte der 1990er Jahre zeigte sich, dass herkömmliche Minensuchtechniken zu langsam und teuer waren, um die große Bedrohung durch Landminen eindämmen zu können. Speziell für die stark betroffenen afrikanischen Länder südlich der Sahara mussten Alternativen gefunden werden.
Weetjens entdeckte in einer wissenschaftlichen Zeitschrift den Hinweis auf den feinen, auch auf Sprengstoff sensibilisierbaren Geruchssinn von Ratten. Er experimentierte mit verschiedenen Rattenarten und fand schließlich mit der kaninchengroßen Gambia-Riesenhamsterratten (Cricetomys gambianus) eine geeignete Art.
Inzwischen wurden spezielle Trainings- und Arbeitsmethoden entwickelt. Für das Absuchen großer Flächen bekommt eine Ratte etwa ein Geschirr umgehängt, das an einer Laufleine befestigt ist. Sie schnüffelt am Boden und läuft jeweils von Trainer zu Trainer, die auf beiden Seiten des Minenfeldes stehen. Findet sie eine Mine, zeigt sie dies durch Scharren am Boden an. Als Belohnung erhält die Ratte etwas zu fressen. Ist sie satt, sammelt sie weitere Leckerbissen in ihren Beutelbacken. Derart auf Fressen und Sammeln programmiert, ist die Ratte eine ausdauernde Arbeitsmaschine.
Die von Weetjens gegründete Nichtregierungsorganisation APOPO (Anti-personal mines demining product development) wird unter anderem von Belgien und der EU finanziert. Das Forschungs- und Trainingszentrum von APOPO ist an der Sokoine-Universität für Landwirtschaft in Morogoro, Tansania untergebracht. Seit 2006 führt APOPO Minenräumprogramme mit Ratten durch. Der Schwerpunkt der Arbeit liegt derzeit auf der Provinz Gaza in Mosambik.
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