12.1.2012: Karische Rebellengruppe KNU und burmesische Regierung unterzeichnen Waffenstillstand
Die KNU, die wichtigste Rebellengruppe der Karen in Burma, hat heute mit der burmesischen Regierung eine Waffenstillstandsvereinbarung unterzeichnet. Dies ist ein weiterer Hoffnungsschimmer für die verzweifelte Situation der Karen in Burma, von der wir von GGL Austria seit 2008 regelmäßig berichten müssen.
Hpa-An. Mit der Unterzeichnung des Waffenstillstands könnte einer der ältesten und gleichzeitig international sehr wenig beachteten Bürgerkriege beendet werden. Eine Delegation der Regierung und Vertreter der Karen National Union (KNU) unterzeichneten heute in Hpa-An, der Hauptstadt des Karen-Gebietes im Süden des Landes, nach mehrstündigen Verhandlungen ein entsprechendes Dokument. Die Vertretung der KNU unterbreitete bei den Verhandlungen einen Zehn-Punkte-Plan für einen Waffenstillstand. Ein Punkt ist die Einstellung aller Kämpfe gegen ethnische Minderheiten. Das Abkommen soll ab sofort gelten.
Im November 2010 hielt die Militärregierung Burmas erstmals seit zwei Jahrzehnten wieder Parlamentswahlen in dem international isolierten Land ab. Zur Überraschung vieler hat die neue zivile Regierung unter Präsident Thein Sein, einem ehemaligen General, seither erste Reformen eingeleitet. Teil der Reformbemühungen sind die Aufnahme von Friedensgesprächen mit den diversen ethnischen Rebellengruppen.
Rund ein Drittel der 50 Millionen Einwohner des Landes gehören so wie die Karen einer ethnischen Minderheit an. Sie leben vor allem in den bergigen Grenzgebieten. Wie die APA mitteilt, kamen die Friedensgespräche mit der KNU unter Vermittlung von Hla Maung Shwe zustande, dem Gründer der Nicht-Regierungsorganisation Myanmar Egress.
Die KNU kämpft seit 1949 zunächst für eine Unabhängigkeit, später für eine Autonomie der Karen in dem Vielvölkerstaat. Anders als andere Volksgruppen haben sich die Karen nie mit der Jahrzehnte regierenden Militärjunta arrangiert. Im Karen-Gebiet kommt es immer wieder zu blutigen Zusammenstössen. Hunderttausende von Zivilisten sind über die Grenze nach Thailand geflüchtet. Ca. 150.000 von ihnen leben dort heute in neun großen Flüchtlingslagern entlang der Grenze.
Jene, die blieben, sind bis jetzt schweren Menschenrechtsverletzungen durch Regierungstruppen ausgesetzt: Hunderte Karen-Dörfer wurden niedergebrannt, mit Zwangsumsiedlungen und Vertreibungen versuchte das Regime, den Rebellen die Basis zu entziehen. Sowohl Regierungstruppen als auch Rebellengruppen haben weite Landstriche durch Landminen kontaminiert. Die Bevölkerung, mehrheitlich Bauern, leben in ständiger Gefahr (s. z.B. News vom 24.9.).
