Sieben Todesfälle von Kindern und Jugendlichen im ehemaligen Grenzgebiet der DDR zur BRD hat der Autor Michael Dullau für sein neues Buch SCHWEIGEGELD – Gewaltsame Todesfälle von Kindern und Jugendlichen im Grenzgebiet der DDR zur BRD ausgewählt. Es sind berührende, minutiös recherchierte Erzählungen wahrer Todesfälle, die nicht zuletzt durch die jeweiligen Nachbemerkungen mit u.a. dem Bericht über die Ermittlungsarbeit der Kriminalpolizei bzw. der Zentralen Ermittlungsstelle Regierungs- und Vereinigungskriminalität (ZERV) und einem Todesfall-Protokoll mit allen relevanten Daten und Fakten besonders eindrücklich vermittelt werden.

Die Geschichte zweier Beamter des westdeutschen Grenzzolldienstes, die zwei Detonationen im Minengürtel der DDR hören und mit ansehen müssen, wie ein Mensch »verglüht«, steht dabei exemplarisch für viele tragische Vorfälle im berüchtigten Minengürtel der DDR.

Kurz vor Drucklegung kontaktierte Michael Dullau GGL und bot uns an, ein kostenloses Inserat in seinem Buch zu veröffentlichen. Dort schreibt er: „Doch heute werden noch immer in vielen Teilen der Welt Minen gegen Menschen eingesetzt. Daher ist es mir ein Anliegen, Aktionen gegen Landminen mit (…) einer Anzeige zu unterstützen.“ Auf diesem Weg unseren herzlichen Dank dafür!

Landminen an der innerdeutschen Grenze
Mindestens 1.322.700 Anti-Personenminen wurden ab 1961 von der SED-Diktatur an der innerdeutschen Grenze verlegt, um DDR-Bürger an der Flucht in die Freiheit zu hindern. Auf internationalen Druck und aufgrund der hohen Kosten wurden sie ab Mitte der 1980er-Jahre vom Regime geräumt. Allerdings wurden nicht mehr alle Anti-Personenminen von den DDR-Grenztruppen wiedergefunden.

Zivilisten mit und ohne Fluchtabsicht wurden an der innerdeutschen Grenze von Minen und Selbstschussanlagen getötet. Männer, Frauen und Kinder aus Ost und West fielen dem DDR-Grenzregime zum Opfer – so etwa der älteste Mauertote, ein 81-jähriger Bauer aus Niedersachsen, der 1967 irrtümlich in ein Minenfeld geriet. Laut ZERV ist der Tod von 33 Menschen durch Erd- oder Splitterminen nachgewiesen, eine Dunkelziffer ist auch hier anzunehmen.

Nach dem Untergang der SED-Diktatur mussten die knapp 1.400 Kilometer lange innerdeutsche Grenze, von der etwa 800 Kilometer gezielt mit Minen verseucht wurden, aufwendig noch einmal geräumt werden. Wie ein Gutachten des Thüringer Umweltministeriums 2012 festhielt, gelang dies jedoch nicht vollständig. Bis zu 33.000 Personenminen könnten noch auf dem ehemaligen Sperrgebiet liegen oder sogar von dort weggespült worden sein. Die Räumung würde nach Schätzung des Ministeriums alleine in Thüringen bis zu 6,5 Millionen Euro kosten.

Kurz-Vorstellung Erzählband SCHWEIGEGELD von Michael Dullau
Leseprobe Erzählband SCHWEIGEGELD von Michael Dullau

Weiterlesen:
Chronik der Mauer, Todesfälle infolge Gewaltakts an der innerdeutschen Grenze und Todesopfer bei der Flucht aus der DDR. 2000.
WELT, S. Kellerhoff, DDR-Erbe Landminen kann noch Millionen kosten. 12.03.2014.
Freie Universität Berlin, K. Schroeder, J. Staadt, Studie: Dem DDR-Grenzregime fielen an der innerdeutschen Grenze insgesamt 327 Männer, Frauen und Kinder aus Ost und West zum Opfer. 07.06.2017.
ZEIT ONLINE, dpa, afp, ces: 327 Todesfälle an innerdeutscher Grenze. 08.06.2017.

Zum Nachhören:
MDR INFO, H. Bernhard, Minenopfer an der innerdeutschen Grenze. 14.03.2010.