Anlässlich des Internationalen Frauentages am 8. März haben wir unsere Projektpartner gebeten, ihre Mitarbeiterinnen vor den Vorhang zu holen. Ob in der Minenrisiko-Aufklärung, in der Rehabilitation oder bei der Entminung – Frauen engagieren sich bei allen unseren Partnern für Minenopfer und für eine minenfreie Welt. Wie? Das sollten Sie hier unbedingt nachlesen!

Internationaler Frauentag 2020

Am 8. März wurde weltweit der noch immer bestehenden Ungleichheit zwischen Männern und Frauen gedacht. Auch in den Bereichen Minenaufklärung, Minenräumung und der Art der benötigten Unterstützung, bspw. nach einem Minenunfall, haben Frauen und Männer teils unterschiedliche Bedürfnisse.

Eine junge Karen, die bei einem Minenunfall ein Bein verlor.

Das Gender and Mine Action Programme (GMAP) beschäftigt sich seit Ende 2006 ausführlich mit den Best Practices rund um das Thema Gender und Minen und hat hierzu zahlreiche Publikationen veröffentlicht. Einen chronologischen Überblick über die Entwicklungen der letzten Jahre im Bereich Gender und Landminen bietet eine interaktive Zeitleiste des GMAP.

So kann es laut GMAP vorkommen, dass Frauen aufgrund häuslicher Verpflichtungen nicht an Planungstreffen zur Minenräumung in ihrer Gemeinde teilnehmen können. Dies kann zur Folge haben, dass insbesondere jene Flächen geräumt werden, die für die Männer der Gemeinde von Bedeutung sind (z.B. die Felder). Gleichzeitig werden Bereiche, die regelmäßig von Frauen genutzt werden (z.B. der Weg zum Brunnen), vernachlässigt. Auch kann die häufig niedrigere Alphabetisierungsrate bei Frauen zum Hindernis bei der Risikoaufklärung oder der Vermittlung wichtiger Informationen werden, falls Informationsmaterialien nicht den Gegebenheiten angepasst werden. Zudem können Untersuchungen weiblicher Minenopfer für die Betroffenen unangenehm bis unmöglich werden, wenn das medizinische Personal ausschließlich aus Männern besteht. Erleiden Mädchen eine bleibende Behinderung durch einen Landminenunfall, erfahren sie in weiterer Folge in vielen Gesellschaften schwerwiegende Diskriminierungen.

Fatima, ein afghanisches Mädchen, wurde an den Händen schwer verletzt.

Aber auch Männer leiden unter den vorherrschenden Gendervorurteilen, z.B. wenn sie nach einem Minenunfall nicht mehr in der Lage sind, ihre traditionelle Rolle als Ernährer der Familie zu erfüllen. Desweiteren nutzen männliche Landminenopfer aus Angst vor Gesichtsverlust seltener psychische Unterstützungsangebote.

Dass auch Frauen bei der Entminung ihrer Heimat tatkräftig mithelfen (wie hier in Vietnam), ist daher keine Selbstverständlichkeit. Jedoch gilt es für die erfolgreiche Arbeit in verminten Gebieten und für die Gewährleistung eines nachhaltigen Fortschritts in den betroffenen Regionen, auf diese Unterschiede zu reagieren und die jeweiligen Bedürfnisse von Männern und Frauen effektiv in die Projektarbeit mit einfließen zu lassen.

GGL hat sich diesem Ziel verschrieben. Daher fördern wir, zusammen mit unseren Partnern vor Ort, das Engagement von Frauen in der Minenrisiko-Aufklärung, in der Rehabilitation und im Bereich der Entminung. Nur gemeinsam können wir unser Ziel einer minenfreien Welt erreichen! Ein paar dieser mutigen Frauen aus der GGL-Projektarbeit möchten wir Ihnen aus diesem Grund im Folgenden gerne vorstellen.

Entminerinnen im Irak

Der Beruf des Entminers gilt aufgrund des hohen Verletzungsrisikos und seiner technischen Ausrichtung vielerorts als Männerberuf. Dass es auch anders geht, zeigt unser langjähriger Partner FSD, der im Irak gezielt weibliche Entminerinnen ausbildet und einsetzt.

Diese sehen sich dabei nicht nur mit der von Landminen und unexplodierten Kriegsresten ausgehenden Gefahr, sondern auch mit kulturellen und religiösen Vorbehalten konfrontiert.

Die Gründe, sich dennoch für eine Tätigkeit als Entminerin zu entscheiden, sind daher vielseitig. Einen Wunsch haben sie jedoch alle gemeinsam: Ihre Heimat wieder sicher zu machen und gleichzeitig ein deutliches Zeichen für Geschlechtergleichheit in der irakischen Gesellschaft zu setzen.

 

Minenaufklärungstrainerin in Burma

Im Auftrag unseres langjährigen Partners, dem Karen Department of Health and Welfare (KDHW) und finanziert von GGL, reisen Minenaufklärungsteams in Burma von Dorf zu Dorf.

Auch Frauen übernehmen hierbei eine aktive Rolle, indem sie Informationsveranstaltungen leiten und die DorfbewohnerInnen über die Gefahren, die von Landminen und unexplodierten Kriegsresten ausgehen, informieren.

Prothesentechnikerin der MTC

In Burma sind Frauen für eine Welt im Einsatz, in der auch die Opfer eines Minenunfalls ein erfülltes Leben führen können. So wird z. B. in der Mae Tao Clinic, Projektpartner von GGL seit 2018, eine junge Frau zur Prothesentechnikerin ausgebildet.

Unsere Auszubildende berichtet von ihren Erfahrungen aus der Prothesenwerkstatt: „Ich glaube, dass Landminenunfälle jedem passieren können, unabhängig vom Geschlecht. Ich wollte an der Schulung teilnehmen, da ich vor allem Frauen helfen wollte, die Prothesen brauchen. Für Frauen ist es schwierig, Zugang zu Prothesen zu erhalten. Sie fühlen sich nicht wohl, männlichen Mitarbeitern des Gesundheitswesens ihre amputierten Beine zu zeigen. Ich habe das Gefühl, dass Frauen in der Gemeinschaft bereits benachteiligt sind. Ohne die Beinprothese könnten sie zusätzliche Probleme bekommen. Dank der Ausbildung verfüge ich über sehr nützliche Kenntnissen und Fähigkeiten. So kann ich jetzt Frauen, die eine Prothese benötigen, helfen. Ich hoffe, dass mehr weibliche Gesundheitsfachkräfte in schwer zugänglichen Gebieten die Ausbildungsmöglichkeit erhalten, wie ich sie erhalten habe.”